Das frühneolithische Skelett von Groß Tinz in Schlesien
(Text von Prof. Dr. Otto Reche, 1933)

Das im Jahre 1926 beim Dorfe Groß-Tinz, Kreis Nimptsch, gehobene Skelett lag in 1,20 m
Tiefe in einem guterhaltenen Grabe; der Fundbericht spricht von einer "Sandgrube", in der
das Grab zum Vorschein gekommen sei, da aber die geborgenen Knochenteile Reste von Löß
aufweisen, scheint das Skelett selbst im Löß gelegen zu haben, und diesem Umstand dürfte
seine gute Erhaltung zu danken sein.

Die Grabbeilagen bestehen aus einer Art aus Hirschgeweih, die neben dem Halse des Toten
lag, aus zwei Knochennadeln und zwei sehr einfachen Feuersteinmessern.

Von diesen Grabbeilagen ist nur die sehr typische Art zur sicheren Bestimmung des kultur-
historischen Alters des Fundes zu verwenden. Nach dem Urteil von H. Seger zeigt sie durch-
aus den Typus der Ertebölle-Stufe, gehört also in einem "sehr alten Abschnitt der jüngeren
Steinzeit, der gleichartig mit den dänischen Muschelhaufen ist", und zwar mit den älteren
Muschelhaufen (Kjökkenmöddingen), die etwa in dem Beginn der sogenannten Litorina-Zeit
datiert werden, deren Beginn etwa um 4.500 v. Chr. angesetzt wird. Diese ältere dänische
Muschelhaufenzeit ist eine Art Übergangsstufe vom nordischen Mesolithikum zum frühen
Neolithikum. Der Tote ist also etwa vor 6.000 bis 6.500 Jahren beigesetzt worden, und damit
der älteste bisher aus Schlesien bekannt gewordene Skelettfund.

Der Tote lag mit gebeugten Beinen auf der rechten Körperseite; der Scheitel war nach Süden,
das Gesicht nach Osten gerichtet. Erhalten ist neben dem etwas zerbrochenen Schädel nebst
Unterkiefer der größte Teil des Rumpf- und Gliedmaßenskelett, nur Hand- und Fußknochen
sind sehr unvollständig. Der Schädel ist durch seine Lage im Grabe im Gesichtsteil seitlich
etwas verdrückt, sodaß das Gesicht in der Zusammensetzung etwas schief geworden ist.